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Turbulente Entwicklung um eine Dorfkneipe
Gelungener Theaterabend des ATSV Kleinsteinbach mit dreiaktiger Komödie
Nach erfolgreichem Erstversuch eines Theaterabends im vergangenen Jahr mit der bewährten Laientheaterspielgruppe des TV Singen, im sportlichen Bereich auch Spielgemeinschaftspartner auf der Tischtennisebene, ließ der ATSV Kleinsteinbach nun eine Neuauflage folgen und besetzte damit eine interessante Unterhaltungsnische für ein breites Publikum fernab vom TV-Bereich. Die vollbesetzte Hagwaldhalle war der beste Beweis, dass der Verein mit seiner Absicht, humorvolle Unterhaltung mit Lokalkolorit zu bieten, wieder richtig lag.
Gewähr für einen kurzweiligen, unvergesslichen Abend bot einerseits die dreiaktige Komödie „Cola, Cash und Kaugummi“, aus der Feder des bundesweit mit erfolgreichsten Autors für Laientheaterstücke Bernd Gombold stammend, mit ihrer durch zahlreiche Verwechslungen und Turbulenzen angereicherten Handlung sowie die Rollen und Charaktere, die dem großen elfköpfigen Bühnenensemble geradezu auf den Leib geschrieben schienen. Dieses hatte seine erfahrenen schauspielerischen Schwergewichte um den „Kopf“ Erich Huser, aber auch, u.a. mit der Kleinsteinbacherin Hertha Steudle und weiteren Mimen, Bühnendebutanten dabei. Ohne Ausnahme gefielen alle Akteure durch ihre komödiantischen Talente, ihre Mimik und Gestik, gepaart mit einer großen Portion Humor und Beherrschung der Situationskomik. Gesprochen wurde größtenteils im ortstypischen Dialekt; erfolgreich aufgelockert wurde die Sprachbreite durch einen im breiten Sächsisch gespielten Part und ein amerikanisch gefärbtes Hochdeutsch. Die Würze des Ganzen lieferte schließlich durchgängig eingestreutes Lokalkolorit, wobei es um deftige Bemerkungen zu Spannungen der Ortsnachbarn Kleinsteinbach und Söllingen ging und die Söllinger dabei nicht mit Spitzen verschont wurden. Das Publikum kam jedenfalls aus dem Lachen mitunter nicht mehr heraus und spendete auch reichlich Szenenapplaus. Das gesamte Lustspiel dreht sich um eine Dorfkneipe, die aus ihrem etwas verstaubten Dasein in ein moderneres Ambiente verwandelt werden soll, was Ausgangspunkt vieler Komplikationen ist. Bürgermeister Knackig (gespielt von Erich Huser)sieht seine Ge-meinde (Kleinsteinbach) als aufstrebendes Dörfchen und genoss bisher zusammen mit seinem unbedarften Stellvertreter (Uwe Kaucher) ständig kostenfreies Bewirten in seiner Kneipe. Das Sagen in den Haushalten der beiden Ortsoberen scheinen aber deren resolute Ehefrauen (Damaris Haag und Iska Doberstein) zu haben, die zusammen mit ihren Freundinnen, einer Gemeinderätin (Birgit Herb) und der Bürgermeister-Sekre-tärin (Alexandra Nothelfer-Knaupp), den Frauen-Kultur- und Bildungsverein, einen selbsternannten Anstands- und Moralclub, repräsentieren. Sie wollen die Kneipe in ein Begegnungszentrum für Frauen umwandeln. Dem steht aber auch der Wunsch der neuen jungen Pächterin des Lokals (Chantal Bauer) entgegen, die zusammen mit ihrem Freund (Thomas Walther) und einem befreundeten Paar (Hertha Steudle und Gerald Göring) den „alten Seewirt“ in ein modernes See-Panorama-Bistro verwandeln wollen. Dazu soll auch noch zur Steigerung der touristischen At-traktion eine Wakeboardanlage eingerichtet, ein Sandstrand angelegt und eine Tauchschu-le eingerichtet werden. Der Bürgermeister und sein Vize lehnen das neue Konzept mit verändertem Outfit und gänzlich anderer Speisekarte, diesen „amerikanischen Firlefanz“, wie sie vehement äußern, strikt ab, weil sie um ihre Pfründe fürchten und dazu noch die Wirtsleute vom verhassten Nachbarort kommen. Sie kündigen kurzerhand den Pachtvertrag und setzen ih-ren arbeitsscheuen, bequemen Gemeindearbei-ter (Dirk Schneider) als neuen Wirt ein. Die jungen Leute geben aber nicht auf und versuchen mit List und Tücke, den hartnäckigen Bürgermeister zu täuschen, damit er Zustimmung signalisiert, die Kneipe und das Dorf attraktiver zu gestalten. Der Dorfobere soll mit seinen eigenen Waffen und mittels seiner eigenen Schwächen bestraft werden, wozu sie in neue Rollen schlüpfen. Der Gipfel ist, dass ein auftauchender amerika-nischer Filmproduzent Interesse für das ganze Gelände zeigt und viele Folgen einer neuen Filmserie hier drehen will. Geblendet vom möglichen Raum und Geld willigt der Bürgermeister sogar ein, aus Kleinsteinbach Little Stone Beach zu machen und eine „American Superworld“ aufzubauen. Der Haken ist nur, dass die vorgesehene Filmdiva (H.Steudle) ihre Zustimmung zum Projekt ge-ben muss. Die vier Damen der Anstandsliga lassen sich nicht blenden und fürchten sogar, dass das älteste Gewerbe der Welt bei einer Realisierung nicht mehr fern sei. Sie geben und spielen dann sogar vor, dieses Gewerbe selbst ausüben zu wollen. Seine Frau dabei selbst vertreten zu sehen, ist dann doch zu viel für den Schultes. Die Ab-reise der erbosten Filmdiva gibt ihm den Rest: aller Ruhm und alles Geld dahin. Die anfänglich verrückten Pläne der jungen Leute kommen ihm jetzt doch noch gerade recht, um für ihn die Situation noch einigermaßen zu retten. Mit einer passenden Bühnendekoration, aufwändig gestaltet unter der Regie von Werner Krepper und Marc Schaier, wurde das entsprechende Ambiente geschaffen.
Karl-Heinz Wenz
Foto: Wenz
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